Das globale ökonomische Scorecarding ist allgegenwärtig. Indizes bewerten die Leistung der Länder hinsichtlich diverser Themen: Korruption, die Lebensqualität der Expat-Mitarbeiter, Steuersätze, Logistikleistung und vieles mehr. Manche Rankings jedoch wählen mehr übergreifende Ziele, z. B. "Ease of Doing Business" oder "wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit" und erheben den Anspruch, den Fortschritt dieser Länder ihnen gegenüber anhand einer Reihe von spezifischen Faktoren zu messen. Die weggelassenen Faktoren können jedoch zu pervertierten Ergebnissen führen und scheinen in einigen Fällen materiell negative Aspekte eines wirtschaftlichen Umfeldes wie Intoleranz und Diskriminierung zu ignorieren und zu belohnen - als ob beide gut fürs Geschäft seien.
Beispielsweise hat die Weltbank in ihrem kürzlich veröffentlichten Bericht Doing Business zum neunten Mal in Folge Singapur als das beste Land der Welt bezeichnet, in dem man Geschäfte machen kann. Der Bericht "bietet objektive Maßstäbe hinsichtlich Geschäftsregularien für lokale Unternehmen in 189 Volkswirtschaften und ausgewählten Städten auf subnationaler Ebene", so das Finanzinstitut. Doch am selben Tag, an dem die Bank ihren Bericht veröffentlichte, bestätigte Singapurs High Court das Recht des Landes, gleichgeschlechtliche Beziehungen zu kriminalisieren. Auch im vom Weltwirtschaftsforum (WEF) gerade veröffentlichten Global Competiveness Report rangiert Singapur als die zweite "wettbewerbsfähigste" Wirtschaft der Welt.
Das Fazit? Singapur ist ein großartiger Ort, um Geschäfte zu machen - es sei denn, dass Sie homosexuell sind. Wie können zwei so diskordante Vorkommnisse in Einklang gebracht werden? Wie kann ein Land, das intim einvernehmliches Verhalten zwischen zwei Erwachsenen kriminalisiert, gleichzeitig ein so genannter "großartiger Ort zum Geschäftemachen" sein?